Erfahrungsbericht

Judith, 17 Jahre
Alles begann mit meinem Bruder Manuel, er ist bei der Geburt gestorben, denn er kam ohne Nieren und Blase zur Welt.

Als meine Mama darauf mit mir schwanger war, wurden im vierten und im siebten Monat der Schwangerschaft in der Uni-Klinik Erlangen Untersuchungen gemacht. Meiner Mama wurde gesagt, dass ich völlig gesund bin, zwei gesunde Nieren und eine gesunde Blase habe. Alle waren erleichtert und haben sich riesig auf mich gefreut. Dann kam ich zu Welt. Meine Mama sagt: „Ich war ein süßes freundliches, lebensfrohes Baby und alles schien wunderbar zu sein. Im alter von sieben Jahren wurde durch einen Zufallsbefund festgestellt, dass mir die rechte Niere fehlt, in der Uni-Klinik wurde diese wiederum untersucht und man sagte uns, wir brauche uns keine Sorgen zu machen. Die linke Niere ist völlig gesund, man kann auch mit einer Niere alt werde. Damals hat uns niemand von den Ärzten gesagt, dass wir in kurzen Abständen zu Routine-Untersuchungen gehen sollen.
 
Als ich elf Jahre alt war (März 2004), hatte ich eine ganz schlimme Infektion, von der ich mich über drei Wochen nicht erholte. Meine Mama fuhr mit mir nach Erlangen in die Klinik. Dort stellten sie dann fest, dass ich eine beginnende Niereninsuffizienz habe. Es wurde mir wie selbstverständlich gesagt, dass ich nun demnächst an die Dialyse kommen werde und dass ich mich da schon mal drauf vorbereiten soll. Ich konnte mit diesem Begriff Dialyse in diesem Moment nichts anfangen, ich wusste nicht, was das ist und was mich erwartet. Die ganze Situation machte mir und auch meiner Familie große Angst. Die Ärzte meinten jedoch, Endgültiges können sie mir erst nach der Nierenbiopsie sagen.

Die muss wohl doch nicht so schlecht ausgefallen sein, denn bis heute bin ich nicht an der Dialyse. Als mir bewusst wurde, dass mich diese Krankheit mein ganzes Leben lang begleiten  würde, beschloss ich, meiner Niere einen Namen zu geben. Ich habe angefangen, mit ihr zu sprechen und habe mich jeden Tag bedankt, dafür dass sie mich solange trotz ihrer Einschränkung durchs Leben getragen und begleitet hat. Ich habe lange überlegt und nannte sie schließlich Annabell. Sie wurde so etwas wie ein Freund, ein Wegbegleiter für mich. Seit fast fünf Jahren weiß ich jetzt, dass ich nierenkrank bin. Meine Mama und meine Schwester lieben mich über alles (ich sie auch grins). Sie sind aus der Familie und Verwandtschaft die einzigen, die mich immer begleiten und unterstützen und diesen Weg mit mir gemeinsam gehen. Beim Rest der Verwandtschaft hat man manchmal das Gefühl, die wollen damit nix zu tun haben. Oder sie sagen, ich bin ja nicht so krank, ich sehe doch gesund aus. Das gleiche erlebe ich in der Schule bei einigen Mitschülern, die sich das alles einfach nicht vorstellen können oder wollen.

Aber im Allgemeinen komme ich damit gut zurecht. Auch meine Familie kommt damit klar. Für meine Mutter ist es in manchen Situationen immer noch sehr schwer und sie wird bei Untersuchungen auch manchmal schnell sehr sensibel. Das jedoch hat sich in den letzten Jahren sehr gebessert und wir gehen diesen Weg gemeinsam. Für mich ist es immer sehr beruhigend zu wissen, dass es Menschen gibt, die das mit mir durchstehen und ich nicht alleine bin.

 

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