Erfahrungsbericht

Helena, 23, Medizinstudentin, Hämodialysepatientin
Ich bin 23 Jahre alt und seit meinem 6. Lebensjahr nierenkrank.

Vor eineinhalb Jahren habe ich meine Niere, die ich 14 Jahre lang hatte, durch ein tragisches Unglück verloren und mache seit dem Hämodialyse, zum ersten Mal in meinem Leben.

Ich hatte immer schreckliche Angst davor, mein Leben von einer Maschine abhängig zu machen, doch das spielt mittlerweile keine Rolle mehr. Vielmehr sind es andere Dinge, die mir zu schaffen machen: Zum einen ist es die unglaubliche Einschränkung der Trinkmenge, vor allem weil ich seit meiner Kindheit drei Liter pro Tag trinken konnte, und zum anderen der enorme Zeit- und Leistungsverlust.

Von der reinen Dialysezeit 13,5 Std./Woche mal abgesehen, sind auch die nächsten Tage bis zum Nachmittag sehr anstrengend, so dass ich den Rest meiner Zeit gut organisieren muss, um Studium und Privatleben, wobei letzteres viel zu kurz kommt, unter einen Hut zu bekommen. Auf jeden Fall will ich an meinem Berufswunsch Ärztin festhalten, denn bis jetzt stehe ich meinen Kommilitonen in nichts nach. Körperlich merke ich, dass ich im Vergleich zur Transplantatzeit viel weniger Kraft habe und deutlich mehr Schlaf brauche. Besonders schlimm ist es nach der Dialyse, ich fühle mich so richtig schlapp und gehe meist direkt danach ins Bett. Man sagt, dass eine Dialyse ungefähr soviel Kalorien verbraucht wie ein Marathonlauf und genauso fühlt sich mein Körper auch an.

Seit ich die Dialyse begonnen habe, gibt es nichts, was ich mir mehr wünsche als eine neue Niere, damit ich wieder richtig am Leben teilhaben kann! Die durchschnittliche Wartezeit auf eine neue Niere von sechs Jahren ist ziemlich zermürbend für jeden, doch besonders für junge Leute, die sich noch ihr „Nest“ für ihr komplettes Leben aufbauen müssen.

Eines der wenigen Dinge, die mir Kraft geben, ist die Tatsache, dass ich nicht die einzige junge Person bin, die dieses Leben führt. Das Transferprogramm endlich erwachsen eröffnete mir die Möglichkeit, andere Leidensgenossen kennen zu lernen. Neben dem Erfahrungsaustausch hatte man hier auch die Möglichkeit, einmal mit anderen Patienten zu tratschen – endlich hatte ich das Gefühl, so richtig verstanden zu werden. Im praktischen Teil des Projekts mit den Betreuern erfuhr ich viel Nützliches, nicht nur hinsichtlich meiner Krankheit und der Therapie, sondern auch wichtige Informationen zu Studiengebühren oder Vergünstigungen mit dem Behindertenausweis. Zu einigen anderen Teilnehmern habe ich sogar nach zwei Jahren noch Kontakt. Ich kann endlich erwachsen wirklich jedem empfehlen, der sich mal nicht nur mit sich selbst und seiner Krankheit auseinandersetzen will, sondern den offenen Austausch mit Gleichaltrigen sucht, die eine ähnliche Leidensgeschichte haben.

(April 2009)

*  *

DruckversionDruckversionArtikel versendenArtikel versenden

Erfahrungsbericht

Benny, 21
Ich wurde am 6.September 1988 in Aschaffenburg geboren. ... 

Schirmherrschaft

Hockey-Nationalspieler Moritz Fürste ist seit 2006 Schirmherr von endlich erwachsen. ...